Die ungewöhnliche, aber erfolgreiche Wiederbelebung eines Sirius B4D33A

Veröffentlicht in Radiotechnik

Für gute Freunde sollte ein Philips Sirius B4D33A wieder betriebsfähig gemacht werden. Nach der Wiederinbetriebnahme zeigte er sich jedoch im UKW- Bereich als empfangsschwach. Der erste Gedanke war, dass sich die ZF- Bandfilter durch Alterung verstimmt haben und ein Neuabgleich erforderlich wurde.

Philips- typisch waren die Kerne der Bandfilter mit Wachs fixiert. Nachdem das Wachs mit dem Föhn verflüssigt war, wurde versucht, den Bandfilterkern zu drehen. Stattdessen rutschte dieser jedoch ganz aus dem Röhrchen nach unten heraus.

Nach der Zerlegung des Bandfilters zerbrach das sehr dünnwandige Spulenkörper- Röhrchen und man konnte sehen, dass dieses keinerlei Innengewinde aufweist, obwohl der Ferritkern ein sehr ausgeprägtes Gewinde hat.

Diese Bandfilter wurden wohl maschinell abgeglichen und danach mit Wachs fixiert. Ein zukünftiger Neuabgleich wurde dabei nicht berücksichtigt !

Dieser Bandfilter wurde nun als irreparabel eingestuft und es folgten Überlegungen, wie jetzt weiter vorzugehen ist. Nach einer wahrscheinlich aufwändigem Reparatur oder eines Ersatzes dieses Filters ist noch lange nicht die Ursache der mangelhaften Empfindlichkeit gefunden und beseitigt. Das Aufwandsrisiko, das Gerät in seiner ursprünglichen Technik wieder instand zu setzen, war unkalkulierbar.

Daher wurde nach einiger Zeit der Beschluss gefasst, den kompletten HF/ZF- Teil stillzulegen und durch einen Mini- FM- Empfängermodul mit dem IC TDA7088 zu ersetzen, so wie es in diesem Artikel ausführlich beschrieben wird.

Eine frühe Idee war, die induktive Abstimmung des original UKW- Tuners auch für diesen neuen FM- Empfängermodul zu verwenden. Dies war jedoch mechanisch nicht einfach umzusetzen und die Erfolgsaussichten waren zu unsicher.

Daher wurde vorgesehen, den neuen FM- Empfängermodul indirekt über den bisherigen AM- Drehkondensator abzustimmen, wie in o. g. Artikel erwähnt.

Auf einer Lochraster-Platine (gelb) wurde der 100 kHz- Abstimm-Oszillator aufgebaut, rechts um den großen Elko befindet sich die Einspeisung für die Betriebsspannung P3, (ca. 3,12 V DC), die aus der 6,3 V Heizspannung gewonnen wird.

Über dieser Lochraster-Platine befindet sich der eigentliche FM- Empfängermodul (grün) mit dem IC TDA7088.

Ein Oszillator, bestehend aus T1, L1 und C2 erzeugt eine Frequenz von etwa 100 kHz.

Diese HF- Schwingung wird über C4 und R7 dem ehemaligen AM- Drehkondensator (C8) des Radios geführt, wodurch R7 mit C8 einen variablen Spannungsteiler bildet.

Am Trimmpoti R9 wird die Abstimmspannung abgegriffen und der Kapazitätsdiode DB1 zugeführt.

Die genaue Funktion dieser Schaltung wird im obigen Link ausführlich beschrieben.

Weil die Kapazität von C8 zu groß ist, musste C11 mit 470 pF vorgeschaltet werden, damit der Abstimmbereich bei 88 MHz beginnt. Mit R9 wird das Ende des Bereiches bei 108 MHz eingestellt.

Das Gerät empfängt jetzt nur noch UKW, wird aber über den ehemaligen AM- Drehkondensator abgestimmt. Der Zeiger des UKW- Bereichs ließ sich jedoch sehr leicht auf das Skalenseil des AM- Drehkos umhängen, so, dass sich der Zeiger auf dem UKW- Skalenteil bewegt. Eine genaue (geeichte) Anzeige ist leider nicht möglich, da der Skalenbereich nur bis 104 MHz reicht, tatsächlich aber bis 108 MHz erfasst wird.

Mit der direkt angeschlossenen Wurfantenne sind problemlos alle üblichen Sender der Umgebung zu hören, mehr kann man nicht verlangen.

Vom original- Gerät wurde nur das NF- (Audio)- Teil und das Netzteil weiter verwendet.

Da das UKW- FM IC TDA7088 nur 80 mV NF- Spannung abgibt, reichte die Verstärkung der vorherigen ECL86 nicht mehr aus zur Vollaussteuerung. Daher wurde als Endröhre eine EL84 vorgesehen und als NF- Vorstufe eine Pentode E80F oder EF86 vorgesehen, die jeweils eine viel höhere Verstärkung haben. Im Ersatzfall haben die EL84 und die EF86 eine bessere Beschaffbarkeit als die selten gewordene ECL86.

Im Netzteil wurde eine EZ90 als Halbbrücken- Gleichrichter eingesetzt, damit im Gerät nun wenigstens drei Röhren arbeiten.

Da der Netztrafo jetzt nur noch schwach belastet wird und die Netzspannung heute oft höher als 230 V ist, wurde der Netztrafo auf intern 240 V umgestellt, obwohl diese Einstellung am Spannungswähler nicht möglich ist. Dies geschah, indem zur 120 V- Teilwicklung S38 nun die gesamte Teilwicklung S39 in Reihe liegt, also S39 und S39', die nun ebenfalls eine 120 V- Teilwicklung darstellt, (statt zuvor 100 V).

 

Die Plastikschiene hinter der Skala dient als Träger von LEDs zur Skalenbeleuchtung.

Im HF/ZF- Teil befinden sich nur Dummy- Röhren ohne Funktion und natürlich ohne Heiz- und Anodenspannung.

Die stillgelegten HF/ZF- Schaltungsteile erinnern irgendwie an das Weltkulturerbe Völklinger Hütte, wo man auch alles stehen ließ, aber nichts mehr in Funktion ist.

Die Schaltung wurde so ausgelegt, dass jetzt auf allen Wellenbereichen UKW empfangen wird. Damit wird vermieden, dass bei gedrückter LW- MW- oder KW- Taste nur Stille erscheint. Die TA- Taste ermöglicht nach wie vor die Wiedergabe eines externen NF- Signals, das auf die DIN- Buchsen eingespeist wird.

Das IC TDA7088 liefert kein Signal, mit dem eine Abstimm-Anzeige ausgeführt werden könnte, so dass auf die bisherige EM84 leider verzichtet werden musste.