Die 6V6 - Familie

Veröffentlicht in Octal- und Stahlröhren (6K7, ECH11)

    
Da die Am 24. März 1936 von RCA eingeführte Beam- Power- Tetrode 6L6 für mittlere und kleinere Empfänger zu stark war, war man in den USA in dieser Geräteklasse weiterhin auf Endpentoden wie 6F6 und 6K6 angewiesen.
Als Nicht- Inhaber des Pentoden- Patentes, aber Inhaber des BPT- Patentes war dies für RCA ein unerwünschter Zustand.

Daher wurde eine weitere BPT mit kleinerer Leistung (Pav = 12 W) entwickelt, die als Standard- Endröhre für normale Rundfunkempfänger eingesetzt werden konnte.

Diese wurde zunächst wie die 6L6 auch als Metallröhre, aber in der kleineren Baugröße MT8, mit der Bezeichnung 6V6 angekündigt, jedoch im * April 1937 zugleich mit ihrer Glasausführung 6V6-G vorgestellt. Die "modernere" Glasausführung 6V6-GT erschien im Juli 1939 [2]

 

6V6 (Metall), 6V6G und 6V6GT

 
Die Katode der 6V6 wurde gegenüber der 6L6 nochmals verkleinert und rückt mit nur 0,45 A Heizstrom in die Nähe von Vorstufenröhren.

Wie die 6L6 war die 6V6 auf Anhieb sehr erfolgreich und erreichte entsprechend des Bedarfs für Rundfunkempfänger wesentlich größere Produktionszahlen als die 6L6. Damit wurde nun zumindest in den USA die weitgehende Verdrängung der Endpentoden eingeleitet.

Mit der 6V6 wurde die bisherige Ausgangsimpedanz von 7 kOhm, wie sie zuvor mit den Typen 47, 2A5, 42 und 6F6 als Standard galt, auf nun 5 kOhm geändert. Bei 45 mA Anodenstrom leistet die 6V6 nun 4,5 W Sprechleistung gegenüber 31... 34 mA und 2,7...3,2 W der Vorgänger.

Als professionelle Röhre mit besonderen Eigenschaften erschien die 6V6 auch unter den Bezeichnungen 5871, 5992, 7184 und 7408.

Mit anderen Heizspannungen erschien die 6V6GT auch als 5V6GT (*7.5.54) und 12V6GT (*9.7.52).

Allerdings war die Karriere der 6V6 nicht so geradlinig und durchgehend wie die der 6L6, da sie alsbald Konkurrenz von anderen Typen mit gleicher Charakteristik, aber modernerer und insbesondere kleinerer Bauart bekam. Es entstand also eine ganze Familie von Röhren mit den Daten der 6V6.

So erschien am *16.2.39 vom RCA- Rivalen Sylvania die 7C5 in Locktal- Allglastechnik als Gegenstück zur RCA- 6V6 in Allmetalltechnik.


7C5 und 6T

Was es sonst nirgends gab, bzw. zumindest nicht bekannt ist, brachte die italienische Firma FIVRE : Eine Senderöhre mit der Charakteristik der 6V6 ! Als kleinere Schwester der von der 807 abgeleiteten 6TP erschien sie um 1942 für Militärfunkgeräte unter der Bezeichnung 6T mit UX6- Sockel.
 
 

Die Kennlinien der 6AQ5, wie sie natürlich für die gesamte 6V6 / 6AQ5 - Familie gelten 
   
   
6V6 in Miniatur
 
Einige Jahre später, am *14.2.46, erschien, wieder von RCA, wie zuvor schon die 6V6, die 7- Stift- Miniaturröhre 6AQ5, welche dann einige Jahre später zuerst von Lorenz in Deutschland als EL90 verkauft wurde. Für die damalige Zeit war es revolutionär, eine Endröhre mit 12 W Anodenverlustleistung in einem Glaskolben von nur 52 mm h x 18 mm unterzubringen.


Auch die 6AQ5 erschien als professionelle Röhre mit bestimmten Eigenschaften unter den Bezeichnungen 6005 (*21.11.50), 6094, 6095, 6669, 6699 und 6928.

Mit anderen Heizspannungen erschien die 6AQ5/EL90 auch als HL90/19AQ5 (*5.9.50) und 5AQ5 (*7.5.54) . Mit gewissen Einschränkungen kann man die 2E30 (*15.3.47) als eine direkt geheizte Version der 6AQ5 ansehen.


6AQ5, EL90, 6005, HL90/19AQ5, 5AQ5, und 2E30


Natürlich ist auch bei der 6AQ5 = EL90 die optimale Ausgangsimpedanz 5 kOhm, genau wie bei der 6V6. Dies sei erwähnt, da vermutlich in allen Ausgaben der Franzis- Röhrentabelle fälschlicherweise 7 kOhm genannt wird, ohne dass dies jemals korrigiert wurde.


6BW6, 6CZ5 und 6973

 
Möglicherweise traute man der zur 6AQ5 miniaturisierten 6V6 nicht voll und so erschienen später mehrere Typen in Novalausführung mit den Daten der 6V6. So gab es die 6BW6 (*17.4.50) (auch als 6061), und, mit anderer Sockelschaltung, die 6CM6 (*9.10.53). sowie die 6094 mit 0,6 Af.

Mit leicht anderer Charakteristik, aber sonst kompatibel zur 6CM6 erschien am *5.11.56 die 6CZ5.

Wiederum der 6CZ5 sehr ähnlich, aber mit leicht geänderter Sockelbeschaltung, ist die 6973 (*12.8.57). Diese beiden Röhren wurden speziell für Ultralinear- Gegentaktschaltungen bis 410 V Betriebsspannung und beachtlichen 24 W Sprechleistung entwickelt und waren oft in Musikboxen anzutreffen.

Heute genießt die 6V6 und ihre Abkömmlinge jedoch weniger Bedeutung als sie die 6L6 immer noch hat. Für die Einsatzgebiete, in denen heute noch Röhren zur Anwendung kommen - HiFi- und Musikerverstärker - wird die 6V6 eher als zu schwach angesehen. In Europa hatten Röhren der 6V6 / 6AQ5- Klasse starke Konkurrenz durch europäische Typen ähnlicher Leistung, wie EL3, EL11, EL41, EL84 und ECL86.


2/3 * 6V6 - Röhren

Aufgrund des Erfolgs der 6V6 wurden Röhren konstruiert, deren Ströme und Leistungen etwa 2/3 der 6V6 betrugen, aber ansonsten im Wesentlichen den Charakterdaten der 6V6 entsprachen.


12A6 und 14A5

Zunächst kam im *Oktober 1939 die 12A6 als Metallröhre im MT8-Gehäuse wie die 6V6 in zwei Ausführungen:

Die Version I hat einen gleich großen Systemaufbau wie die 6V6, aber mit entsprechend dünnerer Katode. Mit 12,6 V / 0,15A hat sie genau 2/3 Heizleistung der 6V6 (6,3 V / 0,45A). Die Version II hat jedoch ein in der Bauhöhe kleineres System als das der 6V6, dafür aber wieder eine dickere Katode.


Systemaufbauten (v.l.): 6V6 : geschlossen, 6V6 : Anodenblech vorn abgenommen, 12A6 : Version I mit dünner Katode, 12A6 : Version II mit kürzerem System

Die 12A6 fand Anwendung in Autoradios, aber auch in großer Anzahl in WW II- Military-Equipment der USA. Leider gibt es keine 6,3 V- Version dieser interessanten Röhre, vielleicht hat man davon abgesehen, da sie leistungsmäßig in der Nähe der 6K6 lag, obwohl sie wesentlich moderner als diese war.

Die völlig datengleiche Locktalausführung 14A5 erschien im *Oktober 1940. Soweit bekannt, gab es diese nur mit dem kurzen Systemaufbau der Version II der 12A6.

Ebenfalls etwa 2/3 * 6V6- ähnliche Daten hat die Novalröhre 5686, erschien im März 1950, die allerdings für HF- Verstärkung entwickelt wurde.

Die 6BM5,
- eine fähige Röhre, über die viel Unsinn erzählt wurde und wird !


Im Januar 1952 erschien die 6BM5, welche leistungsmäßig etwas mehr als 2/3 der 6AQ5/EL90 entspricht. Diese ähnelt in der äußeren Erscheinung sehr der 6AQ5. Der Glaskolben, der Systemaufbau, das Anodenblech und die Katode sind baugleich.

Nur, wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass sich zwischen Anode und Katode drei echte drahtgewickelte Gitter befinden, - die 6BM5 ist also eine echte Pentode, im Gegensatz zur Beam-Power- Tetrode 6AQ5, die ja nur zwei Gitter und eine Blechblende hat !

6AQ5 und 6BM5 - nur scheinbar das Selbe, aber viel anders; - rechts die 5686


Auch ihre Daten weichen stark von der 6AQ5 ab : sie leistet nur 3,5 statt 4,5 W, dies allerdings bei nur 30 statt 45 mA Anodenstrom (= 2/3), die erforderliche Steuerspannung beträgt dabei weniger als die Hälfte.
 
Die 6BM5 ist also nur zu einem großen Teil baugleich mit der 6AQ5, hat aber von der Charakteristik her gesehen nichts mehr mit der 6V6 / 6AQ5- Familie zu tun.
    
Wegen der großen äußerlichen Ähnlichkeit der 6BM5 zur 6AQ5 hat vor vielen Jahren ein nicht sorgfältiger Redakteur die Behauptung in die Welt gesetzt, die 6BM5 hätte die gleichen Daten wie die 6AQ5, was sich wie eine Epidemie ausbreitete und sogar von der sonst so korrekten Franzis- Röhrentabelle übernommen wurde und leider auch heute auf mehreren web-sites so zu lesen ist.
  
Daher müssen hier unbedingt die echten Daten der 6BM5 genannt werden :
 
 
Ua_= 250 V, Ug2 = 250 V,
 
Ia = 30 mA, Ig2 = 3 mA,
 
Ug1 = -6 V, Rk = 180 Ohm, S = 7 mA/V,
 
Pout = 3,5 W, Ra = 7 kOhm,
 
Uf = 6,3 V, If = 0,45 A,
 
Sockelschaltung wie EL90 / EL95 (= Mi30, bzw. 7BZ nach RMA). 
 

Es gibt auch noch eine 9BM5 mit Uf = 9,45 V, If = 0,3 A, sonst wie 6BM5.
Die Röhren 6BM5 und 9BM5 gibt es auch unter den Bezeichnungen 6P9 und 9P9.

Aufgrund der vorgenannten in Umlauf gebrachten Falschangaben findet man häufig die Behauptung, eine 6BM5 durch eine 6AQ5 ersetzen zu können. Von dieser Empfehlung muss dringend abgeraten werden !

Die 6AQ5 nimmt dann etwa den doppelten Anodenstrom der 6BM5 (~> 60 mA), wobei sowohl Röhre wie Gerät überlastet werden. Die Ausgangsleistung wird dabei deutlich verringert und durch den übermagnetisierten Ausgangsübertrager und den miserabel schlechten Arbeitspunkt auch noch stark verzerrt.
Abhilfe wäre durch Austausch des Katodenwiderstandes von 180 auf 510 Ohm zu schaffen, wobei die 6AQ5 jedoch noch in einem weniger günstigen Arbeitspunkt betrieben werden würde.

Im umgekehrten Fall, also 6BM5 anstelle von 6AQ5, wird außer stark verringerter Ausgangsleistung nichts nachteiliges passieren, ist aber nicht empfehlenswert.

Andererseits ist die 6BM5 hervorragend als langlebiger Ersatz der eher kurzlebigen EL95 geeignet. Durch Erhöhung der Gittervorspannung auf -7 V, z. B. mittels eines Katodenwiderstands von 270 Ohm, erhält sie den erforderlichen Anodenstrom von 24 mA. Wird in einem Gerät nur eine einzelne EL95 durch eine 6BM5 ersetzt, so wird die Erhöhung des Heizstroms von 0,2 auf 0,45 A verkraftbar sein. Sollten jedoch 4 Stück EL95 z. B. in einem Stereo- Gegentakt - Gerät durch 4 x 6BM5 ersetzt werden, sollte auch der Netztrafo auf die zusätzlichen 1 A Heizstrom überprüft werden.

Wegen der Ausgangsimpedanz 7 kOhm ist die 6BM5 auch als Ersatz für die nicht immer günstig beschaffbare EL41 geeignet. Dabei ist jedoch der Bau eines Zwischenadapters oder der Austausch der Fassung erforderlich.


* = frühestbekannte Erwähnung, z.B. in [1; 2]

Literaturquellen :

[1] Electron Tube Registration List, Electronic Industries Association, Washington D.C., USA, 1972.
[2] 70 Years of Radio Tubes and Valves, John W. Stokes, Vestal Press, USA / New Zealand, 1982.