Octalröhren in Glas

Veröffentlicht in Octal- und Stahlröhren (6K7, ECH11)

Der Octal- Siegeszug geht weiter, aber nicht mehr nur mit Metallröhren,

- Glas kommt wieder !

Fortsetzung von: Stahlröhren – Umweg und Zwischenstufe der Röhrenentwicklung

Die neuen Octal- Allmetallröhren wurden als so fortschrittlich angesehen, so dass sie praktisch aus dem Stand zur neuen Norm wurden und niemand mehr darauf verzichten konnte. Daher sprang der Großteil der anderen amerikanischen Röhrenfirmen früher oder später ebenfalls auf Röhren mit Octal-Sockel um.

Aber nachdem das Sensationspulver der neuen Octal- Metallröhren verraucht war, brachten andere Firmen, die sich die teuren Anlagen zur deren Herstellung nicht leisten konnten oder wollten, verschiedenartige Glasröhren mit Octalsockel als Metallröhren-Ersatz, bzw. preisgünstige Konkurrenz heraus.

Die Pre-Octal-Serie wird „octalisiert“

Im einfachsten Fall geschah dies darin, alle Typen der vor- Octal- Ära, welche in die Octal- Metallröhren- Serie übernommen wurden, nun wieder als Glasröhren mit Domkolben genau wie zuvor herauszubringen, nun jedoch mit Octal-Sockel und 6,3 mm Gitterkappe statt zuvor 9 mm Ø. Zur Unterscheidung von echten Octal- Metallröhren erhielten sie den Suffix G (für Glas) an die Bezeichnung angehängt.

So wurden die 6A7 zur baugleichen 6A8G (außer Sockel), die 6B7 zur 6B8G, die 78 zur 6K7G usw. Die Gleichrichterröhre 80, zu der es keine Metallversion gab, erschien nun doch in der Octalserie als 5Y3G, wie auch die Gleichrichterröhre höherer Leistung 5Z3 nun als Octal-Röhre 5U4G erschien.

Bauhöhen von Octal-Glas-Röhren :
Bauform ST12, Angaben in mm Gesamthöhe:
6C5G, 6G6G, 6J5G, etc.: 97...106;
6A8G, 6K7G, 6K8G, 6Q7G, etc.: 111...124,
Bauform ST14:
5Y3G, 6F6G, 6V6G, 6N7G, etc.: 109...117,5
Bauform ST16: 5U4G, 6L6G, etc.: 126...135
Auch von Typen, die zunächst nur als Metallröhren erschienen, kamen auch Glasversionen, z. B. 6V6G, 6K8G, 5Z4G.

Metall-Glas“- Röhren als Ersatz für echte Metallröhren

Ein Nachteil dieser Glas- Octal-Röhren war, dass diese im Gegensatz zu den Metallversionen keine Abschirmung besaßen, wodurch in die Radios wieder Blech-Abschirmhauben eingebaut werden mussten, die bei Metallröhren nicht notwendig waren.

Um diesen Nachteil zu überwinden, erschienen so genante „Metall-Glas“- Röhren in Form von zylindrischen Glasröhren, die in eine Metallhülle eingekapselt wurden und den Suffix MG erhielten.

In der Werbung wurde diesen MG- Röhren „die Vorteile der (All)-Metallröhren ohne deren Nachteile“ angepriesen, wobei die Vorteile wohl hauptsächlich im Preisniveau zu finden waren und die deutlich größere Bauhöhe als Nachteil toleriert wurde.

Durch die größere Bauhöhe der vorgenannten -G und -MG- Röhren waren diese als Ersatz für original Octal- Metallröhren nur bedingt tauglich.

Die Metallhauben bestanden am Anfang aus Eisenblech, später ging man in Frankreich auf Aluminium über.

Bauhöhen von Octal-MG-Röhren  (mm):
6A8MG, 6E8MG, 6K7MG, 6M7MG, 6Q7MG: 104
6F6MG: 99, 6J5MG: 92,
Kolben Ø 31 mm.

 

Geringere Bauhöhe mit GT- Röhren

Da die G- wie auch die MG-Typen wegen ihrer enormen Bauhöhe keine echte Konkurrenz zu den All-Metallröhren waren, gab es weiterhin Bestrebungen, Octal- Glasröhren herzustellen, die möglichst nicht viel größer als Octal- Metallröhren waren.
Hauptsächlich durch eine konsequente Verkürzung des Quetschfußaufbaus wie auch sonstiger Einsparung kam man tatsächlich auf Metallröhren-Höhe herab oder wenigstens in die Nähe davon, je nach Typ und Geschick des Herstellers.

Wie schon bei den MG- Röhren wurden nur noch zylindrische Kolben verwendet, was auch zum Suffix GT = Glas Tubular (zylindrisch) dieser Bauart führte.
Oft haben GT- Vorstufenröhren auch eine mehr oder weniger durchgehende interne Abschirmung, so dass sie in der Verwendbarkeit schon sehr nahe an die Metallröhren herankommen.

Bauhöhen von Octal-GT-Röhren (mm):
6K6GT, 6X5GT: 67...82;
6J5GT: 80...83,
6A8GT, 6K7GT, 6Q7GT: ~ 90,
6V6GT, 6W6GT, 25L6GT : 67,5...84,

Kolben Ø 28,3 mm,

Von der 6A7 zu allen
gängigen Versionen der 6A8

 

Metall-Glas – Weiterentwicklungen:

Coronet- und Stemless- Röhren

In dem Bestreben, der niederen Bauhöhe der Octal- Metallröhren möglichst nahe zu kommen, erschienen schon im Jahr 1936 sowohl in den USA von Arcturus wie auch in Frankreich von Neotron erstmals Serien von Metall-Glas- (MG-) Röhren, die einen Glaskolben ohne Quetschfuß enthielten, jedoch noch ohne den späteren Pressglas-Boden !

Bei Arcturus wurden diese Technologie „Coronet“, bei Neotron „Stemless“ genannt. Wegen der zeitlichen Nähe ist eine Zusammenarbeit beider Firmen wahrscheinlich, aber auch völlig unabhängige Entwicklungen wären nicht auszuschließen.

Die französische Firma Fotos baute ebenfalls Coronet- Röhren unter Arcturus- Lizenz oder importierte diese von Arcturus.

Der Kolben ist insgesamt in gleichmäßiger Glasdicke, also auch des Bodens, nur wurde für jeden Anschlussdraht in der Kreisanordnung der Sockelstifte ein Glaszapfen eingearbeitet. Hält man diesen Sockelboden nach oben, so erscheinen diese Glaszapfen wie die Zacken einer Krone, was bei Arcturus zur Namenswahl „Coronet“ für diese Technologie führte. Bei Neotron wurde der Name „Stemless“ gewählt, da diese Röhren keinen Quetschfuß- „Stamm“ mehr haben.

Diese Technologie war ein früher Versuch, vom Quetschfußaufbau wegzukommen, der verantwortlich ist für große Bauhöhe und lange Zuleitungen mit deren parasitären Induktivitäten und Kapazitäten.

Leider war dieses Verfahren nicht sehr stabil, es schien wohl nicht zu gelingen, den Kolben spannungsfrei herstellen zu können, mit der Folge einer hohen Glasbruchrate. Als 1938/39 Röhren mit Pressglas-Boden (Locktal-, bzw. Schlüsselröhren) erschien, war das Problem der leichten Zerbrechlichkeit überwunden, was zur Folge hatte, dass „Coronet“ und „Stemless-“ Röhren schnell von der Pressglastechnik verdrängt wurden.

 

Arcturus
Coronet 6F6

Neotron
Stemless 6K7

Sowohl die Arcturus- Coronet- wie auch die Neotron- Stemless- Röhren tragen identische Bezeichnungen zu Octal- Metallröhren, also ohne Suffix, obwohl von deutlich anderer Technologie. Daher wäre es angemessen gewesen, hierfür einen eigenen Suffix vorzusehen, analog zu anderen Octal- Versionen wie -G oder -MG , z. B. mit einem Suffix -C. Ein solcher Suffix wurde aber wohl absichtlich vermieden, um diese Röhren möglichst gleichwertig zu Octal- Metallröhren erscheinen zu lassen. Stattdessen wählte man den zusätzlichen Aufdruck „Coronet“ bzw. „Stemless“, um diese Röhren als eigenständige Serie darzustellen.

Coronet- wie auch Stemless- Röhren erreichten beide keine hohen Marktanteile. Das mag sowohl an der Ausfallrate wie auch wohl an einem Preis oberhalb normaler MG-Röhren gelegen haben, wobei sie für normale AM- Rundfunkempfänger keine bemerkbare Vorteile brachten, außer in den wenigen Fällen, wo die geringe Bauhöhe erforderlich war.

In der seltenen 11er- Serie, die nur vom französischen Militär verwendet wurde, findet man auffällig viele Stemless- Röhren. Sie hatten wohl die Zustimmung der Entscheidungsträger erhalten.

Die Arcturus Coronet Endpentode 6F6, die einzige hier vorhandene Coronet- Röhre. Mit einer Bauhöhe von 80 mm liegt sie sogar noch leicht unter den Metall-Versionen der 6F6 oder 6V6.

Die Neotron Stemless Triode 11C5 liegt mit 78,5 mm sehr nahe an der Coronet 6F6.

Die Stemless Pentode 11J7 ist mit Kappe 89 mm hoch.

Innenleben einer Stemless Pentode 11J7, 11K7 oder 6K7. Deutlich sind die Glaszapfen um die Anschlussdrähte zu erkennen. Entsprechend der Anfälligkeit dieser Bauart hat auch dieser Kolben Glasbruch.

Neotron Stemless-Röhren Duodiode-Triode 11Q7 und Pentode 6K7 mit je 89 mm Höhe.

 

Irgendwann später gelang es, die Bauhöhen der Stemless-Röhren nochmals drastisch zu verringern. Diese superkurze Stemless 6K7 ist nur 74,5 mm hoch und liegt damit sogar noch unter der Metall- 6K7 mit minimal 75 mm.

Statt bisher aus Eisen besteht die Metallhaube nun aus Aluminium, wie auch bei normalen französischen MG- Röhren .

Da sowohl Neotron wie auch Mazda zu Philips-Frankreich gehörten, erschien auch von Mazda eine superkurze 6K7. Da der Begriff „Stemless“ nicht verwendet werden durfte, wurde sie einfach nur 6K7MG genannt, obwohl sie sich in der Höhe sehr deutlich von einer normalen 6K7MG unterscheidet.
Auch hier hat der Kolben Glasbruch.

           

 

(wird fortgesetzt)