Die 3-Röhren-Super-Story

Veröffentlicht in Eigene Geräte und (Re-) Designs

 

 3 Wellenbereiche, 6 Kreise, 2 ZF-Filter,  

und alles mit nur 3 Röhren:

12K8 zur Frequenzmischung

12C8 zur ZF- und NF-Vorverstärkung in Reflexschaltung + Demodulation

70L7GT als NF-Endstufe + Netzgleichrichtung

 

Der ursprüngliche Text dieses Artikels stand bereits im Mai 1990 in der damaligen Funk-Geschichte Nr. 72. Der Text wurde modifiziert, soweit es dem Stand der heutigen Situation (2013) und Erkenntnissen entspricht.

Ich bin schon seit vielen Jahren ein Freund und Sammler sowohl von Elektronenröhren als auch von nostalgischen Rundfunkempfängern, wobei mein Interesse an Röhren überwiegt meine Rundfunkgerätesammlung daher nach der Röhrenbestückung ausgerichtet ist.

Mir gefiele es also weniger, fünf verschiedene Radios zu besitzen, die alle den gleichen Röhrensatz haben, während ich fünf äußerlich gleiche Geräte, die jedoch alle mit anderen Röhrensätzen bestückt wären, viel interessanter fände. Auch halte ich das Sammeln besonderer Röhrenserien und vom Durchschnitt abweichender Geräteschaltungen erstrebenswert. An Röhren ist noch einigermaßen heranzukommen, aber da die Chance oft sehr gering ist, entsprechende Originalgeräte zu erhalten, baue ich solche Schaltungen in vorhandenen Geräten neu auf.

Die Initialzündung 

Als ich vom Surplus- Versender Singer-Elektronik die damalige Sonderliste 22 erhielt, schaute ich, wie immer, zuerst nach interessanten Röhrenangeboten. Hier bemerkte ich den Typ 70L7GT. Ein Blick ins Datenbuch ergab, dass es sich hier um eine außergewöhnliche Verbundröhre handelt: es ist die Kombination einer Endpentode und einer Netzgleichrichterdiode mit Octalsockel und 70V 0,15A Heizung. Nun, eine komplette Octal- Röhrenfamilie mit 0,15 A Serienheizung zur Bestückung eines Superhet fehlte mir damals ohnehin und es war sofort klar, dass ich so einen exotischen Röhrentyp unbedingt haben muss. Günstigerweise war auch der Typ 6D8G im gleichen Angebot, eine Fünfgitter- Mischröhre (Pentagrid-Converter), identisch mit der 6A8G, aber mit nur 0,15 A Heizstrom. Hiermit war also das Problem der Mischstufe, der Endstufe und des Gleichrichters bereits gelöst. Für die ZF-Verstärkung und Demodulation hatte ich schon einige Exemplare 12C8 (Pentode-Duodiode) und zur NF-Vorverstärkung einige 12J7GT (NF-Pentode) vorrätig, womit die 0,15A-Octalserie vollständig war. Es wurden also, zur Aufteilung mit anderen Röhrenfreunden, jeweils ein 10er-Pack 70L7GT und 6D8G bestellt. Nun war ich also in der Lage, mit den vier Röhren 6D8G, 12C8, 12J7GT und 70L7GT eine komplette Superhet-Schaltung aufzubauen.

Nach einiger Zeit war ich jedoch mit dieser Lösung etwas unzufrieden, weil ein 4-Röhren-Super auch mit vielen anderen Röhrenfamilien realisierbar war, z.B. mit UCH11, UBF11, UCL11 und UY11 oder ECH3, ECF1, CBL1 und CY1.

Da erinnerte ich mich, dass ich schon vor einiger Zeit zwei Superhet- Kleinempfänger, der eine mit Rimlock- und der andere mit Novalröhren, repariert hatte, bei denen die ZF-Stufe und die NF-Vorstufe mit nur einer einzigen Pentode in Reflexschaltung betrieben wurden und die trotzdem eine recht gute Empfangsleistung hatten. Mit dieser Schaltung wäre ich also in der Lage, die 12J7GT einzusparen und ich könnte mir den einzigartigen Rekord leisten, einen kompletten 6-Kreis-Superhet nur mit den drei Röhren 6D8G, 12C8 und 70L7GT aufzubauen.

Dieser Sparrekord kann nur mit der Verwendung einer Röhre nach dem Prinzip der 70L7GT erreicht werden, bei allen anderen Kombinationen bleibt es auch trotz Reflexschaltung bei vier Röhren, z.B. UCH11, UBF11, UL11, UY11 oder ECH3, EBF2, CL4 und CY1. Die einzigen Ausnahme hiervon sind die Loewe- Mehrfachröhren, wo mit den Typen WG35, WG36 und 26NG schon 1934 der Superhet "Botschafter" bestückt war.

Natürlich ist klar, dass wenn ich hier von Röhrenschaltungen spreche, auch wirklich alle Funktionen mit Röhren arbeiten müssen und nicht mit irgendwelchen Halbleitern, auch keine Dioden zur Netz- und HF-Gleichrichtung. Mit Halbleitern ist es schließlich keine Kunst, mit drei oder weniger Röhren einen 6-Kreis Superhet zu bauen.

Ein gewisses Unbehagen bereiteten mir die Daten der 70L7GT: beim Pentodensystem sind als Anoden- und Schirmgitterspannung nur 110V und bei der Diode nur 125V Wechselspannung angegeben. Nach Möglichkeit möchte ich den 3-Röhren-Super natürlich direkt an 220 V ohne Transformator betreiben. Bei Pentoden ist mir bekannt, dass man meistens eine höhere Anodenspannung anwenden kann, wenn man die Schirmgitterspannung und die Anodenverlustleistung einhält. Bei der 70L7GT hat auch die Pentodenanode einen wesentlich größeren Abstand zur Katode als bei der 25L6, die für 200V zugelassen ist. Ein Probebetrieb mit Anodenspannungen von 200 bis 240V und 100V Schirmgitterspannung verlief erfolgreich. Auch die Diode machte einen vertrauenserweckenden Eindruck. Nach Augenmaß ist der Anoden- Katodenabstand etwa so groß wie bei der UY82 und dürfte somit für die Gleichrichtung für 220 V ausreichend sein. Zudem ist im Datenbuch für 125V ein Strom von 70 mA angegeben, während ich bei 220V nur ca. 35 mA benötige. Vergleichsweise ist die AZ1 bei 300 V mit 100 mA, bei 500 V jedoch nur noch mit 60 mA belastbar, so dass man die 70L7GT im gleichen Sinne auch hochrechnen kann. Eine erfolgreich verlaufene Versuchsschaltung an 220 V und 36 mA Last mit einer vorgeschalteten 60 W- Glühlampe bestätigte meine Vermutung.

Glühlampen eignen sich gut als Sicherung und Strombegrenzungswiderstand zur Erprobung kurzschlussgefährdeter Schaltungen. Bei geringem Strom bleibt der Glühfaden kalt und somit relativ niederohmig, - entsteht nun ein Kurzschluss, der sonst die Schaltung zerstören würde, begrenzt der nun heißer und hochohmiger werdende Glühfaden den Strom auf einen ungefährlichen Wert.

Die Gehäusefrage

Jetzt fehlte also nur noch ein geeignetes Gerät, mit der die 3-Röhren-Super- Schaltung realisiert werden konnte. Eine Umfrage unter Freunden blieb erfolglos, ebenso die Suchmeldung nach einem 3-Röhren- Schrottgerät in der FUNKGESCHICHTE. Das einzige vorhandene Gerät, das ungefähr in dieser Richtung lag, war ein Jotha-Radio 640W3, ein Kleinsuper, der aber nach meinem Geschmack stilistisch nicht zu den amerikanischen Röhren passte und wegen der Bestückung mit Rimlockröhren aus Platzgründen zur Umstellung auf Octalröhren wenig geeignet war. Das Dreiröhrensuper-Projekt war also somit in eine Stagnationsphase geraten.

Doch bald darauf zeigte sich eine völlig unerwartete Problemlösung auf: In einem FUNKGESCHICHTE- lnserat suchte ein Sammlerfreund nach Schaltungsunterlagen für ein Radio Pathe 540M mit den Röhren 6E8, 6K7, 6Q7, 25L6 und 25Z6. Mir war sogleich klar, dass es sich hierbei um einen französischen Kleinsuper nach amerikanischem Vorbild handeln muss, und da ich mit solchen Geräten gut bewandert bin, bot ich meine Hilfe an. Es zeigte sich aber, dass der Sammler von diesem Gerät doch nicht allzu sehr begeistert war, zumal die fehlende Skala auch nicht zu bekommen war. Er deutete an, das Gerät möglicherweise gegen ein deutsches Fabrikat zu tauschen. Nun begann ich für das Dreiröhren- Super- Projekt wieder Hoffnung zu schöpfen. Ich berichtete dem Kollegen von dem Jotha-Radio, mit dem ich nicht so recht glücklich war. Er war mit einem Tausch einverstanden und sogleich machte ich mich daran, den teilausgeschlachteten Jotha wieder in einen kompletten Zustand zu versetzen. Alsbald gingen die Geräte auf Reise, womit jeder zu seinem Vorzugsradio kam.

Das Pathe-Radio gefiel mir auf Anhieb noch besser, als ich es mir vorgestellt hatte, besonders wegen den winzigen Abmessungen von 23 b x 18 h x 15 t cm. Wie bei solchen Geräten oft zu erwarten, war die Schaltung in einem so schlechten Zustand, dass nur Totalausschlachtung und Neuaufbau in Frage kam, wobei es dann auch unwesentlich war, statt der original- Fünfröhrenschaltung nun meine langersehnte 3-Röhren-Super- Schaltung zu verwirklichen.

Meine Vorstellung war, das Gerät mit Serienheizung und Netzgleichrichtung direkt an 230 V 50 Hz ohne Transformator zu betreiben, wie es bei solchen Röhren auch üblich war. Ein Problem stellte der vorhandene elektrodynamische Lautsprecher dar, der wegen seiner Erregerwicklung mit 100 V / 3 kOhm leider nicht mehr zu verwenden war. Der Einbau eines entsprechenden 13 cm- permanentdynamischen Lautsprechers war wegen fehlender Befestigungsmöglichkeit sehr arbeitsintensiv. Auch die Bandfilter waren zu ersetzen. Wegen des starken Feldes des Lautsprechermagneten sah ich es als zweckmäßig, die Filterspulen in Eisenbecher einzubauen.

Für den Heizkreis wurde umweltfreundlich, da keine Verlustwärme entwickelnd, ein Kondensator als Vorwiderstand gewählt (C19). Ich errechnete einen Wert von 2,31 µF, der aus einem 2 µF MP-Typ und kleineren Zusatzwerten erreicht wurde.

Als Skalenlampe dient ein Taschenlampenbirnchen mit den Nennwerten 3,5V 0,2A, das hier an 0,15A nur 2,2V aufnimmt. Die hierbei erreichte niedere Glühfadentemperatur erzeugt genau das richtige Schummmerlicht und lässt eine hohe Lebensdauer erwarten. Die von der Skala abgewandte Glasfläche des Lämpchens wurde mit Tipp-ex weiß gepinselt und dient dadurch als Reflektor.

Durch die Phasenverschiebung des Kondensators ergeben sich kaum Stromunterschiede zwischen kalten und heißen Heizfäden, weshalb auf Urdoxe und ähnliches verzichtet werden konnte.

Die Diodenanode der 70L7GT erhielt eine spezielle Sicherung (F1) und einen 160 Ohm- Strombegrenzungswiderstand (R17). Die Katode arbeitet auf eine C-L-C-Siebkette mit 2 x 50 µF und einem ehemaligen Ausgangsübertrager mit Z = 2,5 kOhm als Drossel, der mit einem gemessenen Scheinwiderstand von 8,7 kOhm bei 50 Hz günstige Siebeigenschaften besitzt, jedenfalls ist dieses Gerät trotz Einweggleichrichtung recht brummarm.

Auf die beiden freien Plätze der eingesparten Röhren wurden der 2 µF MP-Kondensator und ein 2 x 50 + 8 µF Kombibecher gesetzt, wodurch der Eindruck entstand, dass dieses Chassis schon immer als 3-Röhren-Super gedacht war.

Das Empfänger-Prinzip

Die Empfängerschaltung wurde zunächst als Standart- Superschaltung ohne Reflexschaltung und ohne NF-Vorstufe gebaut. Schon beim ersten Probelauf macht der Oszillator seine Funktion durch Pfeiftöne auf einem anderen Empfänger bemerkbar. Nach Abgleich der Bandfilter auf 457 kHz war dann auch sogleich Empfang möglich, wenn auch nur in sehr bescheidener Lautstärke.

Für die Endpentode wurde ein Katodenwiderstand (R16) von 330 Ohm für den richtigen Arbeitspunkt ermittelt. Die Schirmgitterspannung wurde durch den Vorwiderstand R14 auf 99 V herabgesetzt. Bei 228 V Anodenspannung ergeben sich 21,6 mA Anodenstrom, womit die Verlustleistung von 5 W eingehalten wird. Der Ausgangsübertrager hat eine Primärimpedanz von ca. 9 kOhm bei 4 Ohm Sekundärlast. An dieser Stelle lassen sich Ausgangsübertrager für ECL113, EL42 und EL95 einsetzen.

Um meine geringen Kenntnisse über die Reflexschaltung aufzubessern, machte ich mich auf die Suche nach entsprechenden Schaltungsunterlagen. Nach langem Suchen fand ich dann zwei Gerätepläne, bei denen ein 10,7MHz- FM-ZF- Verstärker in Reflexschaltung gleichzeitig als NF-Vorstufe dient. Wegen des großen Frequenzabstandes der 10,7MHz zur Niederfrequenz ist dies natürlich günstiger als bei 457 kHz.

Ich bemerkte, dass für die Reflexstufe stets der im Datenbuch angegebene normale Katodenwiderstand der ZF-Pentode eingesetzt wurde, aber mit einem deutlich größeren Schirmgitterwiderstand der richtige Arbeitspunkt festgelegt wird. Im Anodenkreis liegt zwischen dem ZF-Bandfilterkreis LC5 und der Spannungsquelle der für das NF-Signal zuständige Arbeitswiderstand R7. Dieser wird gerade so groß gewählt, dass beim Empfang schwächerer Sender die Endstufe noch voll ausgesteuert wird. Ich habe 25 kOhm gewählt, wie es auch in einem Schaltungsbeispiel der Fall war. Ein 5,6 nF- Kondensator (C8) legt den Bandfilter HF-mäßig auf Masse und unterdrückt HF-Anteile im NF-Signal, er soll also für die NF einen möglichst hohen und für die 457 kHz einen möglichst niederen Widerstand haben. Er wurde deshalb für eine Grenzfrequenz oberhalb 10 kHz berechnet. Über C9 wird das von der 12C8 (V2) verstärkte NF-Signal der 70L7- Endpentode zugeführt, wobei mit R8 und der Eingangskapazität der Endröhre noch zusätzlich HF-Spannungen unterdrückt werden.

Für die Arbeitspunkteinstellung der Reflexschaltung wurde zunächst ein 250 kOhm Potentiometer als Schirmgitterwiderstand mit einem 22 kOhm - Schutzwiderstand in Reihe geschaltet. Bei einem Arbeitspunkt von 65 V Anodenspannung war die NF-Verstärkung am größten, aber der Aussteuerbereich (Dynamik) war sehr gering, da bei 60 V die Röhre voll durchgesteuert war und begrenzte. Deshalb wurde der Arbeitspunkt auf 90 V gelegt, um in jedem Fall für NF und HF noch genügend Dynamikbereich zu haben. Hierzu wurde ein Schirmgitterwiderstand von 100 kOhm ermittelt, der dann fest eingebaut wurde (R9).

Von der Anode der ZF- Pentode V2 führt ein 50 pF- Kondensator C7 zur ersten Diodenanode zur Erzeugung der Regelspannung, die über R6 der Mischröhre V1 zugeführt wird. Wegen der Reflexschaltung wurde die ZF- Stufe selbst nicht geregelt.

Der ZF- Sekundärkreis LC6 führt zwecks Demodulation zur zweiten Diodenanode. Über C12 führt das NF-Signal zum Volumen-Poti P1 und wird über R12 zum ersten ZF- Filterkreis LC4 geführt und somit wieder zum Gitter der ZF- Röhre V2. C13, R12 und C23 dienen zur Unterdrückung von HF- Spannungen, da sonst diese Reflexschaltung zum Oszillator wird.

Es zeigte sich, dass die Bandbreite zu groß war, vermutlich entstand wegen der Eisenbecher eine stärkere Kopplung der Filterspulen, weshalb ich dann noch zusätzliche Aluhülsen einsetzte. Aber auch nach dieser Maßnahme war bei schwierigen Empfangssituationen die Trennschärfe noch nicht voll zufriedenstellend, möglicherweise entsteht wegen der nur schwachen Abblockung mit C23 und C8 eine Bedämpfung der Filterkreise, was ich hier natürlich nicht genau untersuchen kann.

Im Gerät ist ein Wellenbereichs- Spulenumschaltsatz ("Tuner") für Lang-Mittel-Kurzwelle vorhanden, der hier in der Zeichnung wegen der Übersichtlichkeit nicht eingezeichnet wurde.
Im KW-Bereich ist keine Spule abgleichbar, bei MW und LW sind nur die Oszillator-, nicht aber die Eingangskreisspulen abgleichbar. Da ohnehin keine Skalenscheibe mehr vorhanden war, habe ich deshalb die Oszillatorspulen auf die Resonanz der Eingangsspulen nachgezogen. Auf Langwelle war kein zufriedenstellender Abgleich möglich und es treten stellenweise unerklärliche Rausch- und Blubberstörungen auf. Zwei andere versuchsweise eingesetzte Tuner zeigten jedoch noch größere Fehler, so dass ich das Originalteil wieder einbauen musste.

Große Toleranzen zeigen die Endsysteme der 70L7. Bei gleichen Bedingungen ergeben sich bei sechs Exemplaren Katodenströme von 20 bis 32 mA, man müsste also für jede Röhre einen eigenen Katodenwiderstand einsetzen. Den Aufdruck auf dem Karton "a precision built" vom angeblichen Hersteller Boone kann man wohl nicht so ernst nehmen. Vermutlich handelt es sich um außer-Toleranz- Röhren, die unter dieser Handelsmarke verkauft wurden. Sehr erfreulich ist jedoch, dass keine der 70L7GT Probleme hat mit dem 230 V-Betrieb, für den sie ja nicht vorgesehen waren. Wahrscheinlich ist dies auch dadurch möglich, dass die 70L7GT eine originalgetreue Zusammenfassung der Pentode 35L6 und der Diode 35Z5 ist, die für 200 bzw. 235 V zulässig sind, und man wegen der gegenseitigen Erwärmung der Systeme in der 70L7GT die Grenzdaten entsprechend reduziert hat.

Bei der Empfangsleistung sind subjektiv kaum Unterschiede gegenüber der vollständigen Standard- Superhetschaltung zu bemerken, wenn man von dem kleinen Nachteil der in der Ursache nicht nachgewiesenen geringeren Trennschärfe absieht. Mir ist unerklärlich, weshalb diese Reflexschaltung zumindest in der unteren Empfängerklasse nicht weiter verbreitet war. Waren etwa unverschämte Lizenzgebühren zu zahlen, welche die Gerätehersteller vom Nachbau der Schaltung abhielten oder hat diese Schaltung doch noch irgendwelche Nachteile, die mir nicht aufgefallen sind ?

Jedenfalls stellt dieses Gerätchen ein unübertreffliches Spitzenverhältnis der Empfangsleistung zur Röhrenanzahl dar. Zu Zeiten, als in Deutschland der Dreiröhren-Einkreis-Volksempfänger mit politisch gewollter dürftiger Empfangsleistung noch das Standart- Billiggerät war, waren mit amerikanischen Röhren Empfänger gleicher Klasse und gleicher Röhrenanzahl als leistungsfähige Superhets möglich.

Außer dem Problem mit dem Wellentuner ging der Aufbau der Schaltung zügig voran. Das fast völlig demontierte Chassis würde zunächst gründlich gereinigt, zum gleichen Zweck kam das Bakelitgehäuse in die Geschirrspülmaschine, die es porentief sauber wieder verließ. Die mattgewordene Außenfläche wurde mit Klarlack, der eigentlich als Überlackierung für Metallic-Farbe gedacht war, gesprayt. Seitdem glänzt das Gehäuse wahrscheinlich noch mehr wie damals vor 40 bis 50 Jahren, als es die Presse verließ.

Elektrische Sicherheit

Da wegen der perforierten Rückwand und den Madenschrauben in den Knöpfen kein völliger Berührungsschutz möglich ist, muss unbedingt beachtet werden, dass der Phasenleiter nicht auf das Chassis kommt, was bei den diesbezüglich fehlkonstruierten deutschen Schukosteckdosen, nicht zufriedenstellend zu lösen ist, da diese keine unverwechselbare Zuordnung der Leiter haben. Daher wird bei mir bei allen Geräten, die keine Potentialtrennung vom Netz haben, der N-Leiter des Netzsteckers markiert, ebenso die Steckdosen, an denen solche Geräte betrieben werden.

Bei diesem Gerät habe ich noch zusätzlich eine Glimmlampe eingebaut, die durch die Rückwand beobachtet werden kann. Diese ist einerseits mit dem Chassis verbunden und andererseits über einen 2,2 MΩ Widerstand mit einer Rückwand-Schraube. Berührt man diese Schraube mit dem Finger oder hält man den Antennenstecker daran und die Glimmmlampe leuchtet auf, ist der Netzstecker umzupolen.

Das fertige Gerät machte mir schon viel Freude und ich habe es trotz großer Konkurrenz immer noch abwechselnd mit den anderen Nostalgieradios in Betrieb. Es war damals eine kleine Sensation in meiner Gerätesammlung und übt auch heute noch, trotz langer Gewöhnung, immer noch eine gewisse Faszination aus.

Es würde mich schon freuen, wenn der eine oder andere Röhrenfreund sich diese Schaltung nachbauen würde, auch wenn ich dabei meine mögliche Monopolstellung verlieren würde, als vielleicht einziger in Europa einen 3-Röhren-6-Kreis-Super zu besitzen, wenn man einmal von den wohl wenigen stolzen Besitzern eines funktionsfähigen Loewe-Mehrfachröhrensupers absieht.

Schon allein wegen der gleichen Röhrenzahl ist diese Schaltung geeignet, einen VE oder anderen Einkreiser, bei geringstmöglicher Veränderung des Erscheinugsbildes, zu einem leistungsfähigen Superhet aufzumöbeln. Falls jemand ein beliebiges Dreiröhrengerät im Schrottzustand besitzt, hat hier eine interessante Alternative zum Wiederaufbau.

 

Revisionen:

Im Laufe der Jahre wurden verschiedene Änderungen vorgenommen:

Da die Triode- Hexode 12K8 als Mischröhre V1 in dieser Schaltung insgesamt gut geeignet ist, aber wegen der Heizspannung 12,6 V ansonsten weniger universell verwendbar ist, wurde sie anstelle der Pentagrid-Converter- Röhre 6D8G eingesetzt, welche mittlerweile in einem anderen Gerät Verwendung fand. Das Schirmgitter der 12K8 erhielt einen Spannungsteiler, bestehend aus R3 und R19.

Über den Spannungsteiler R20 und R5 wird nun auch die ZF- Stufe teilweise geregelt, R21 - C32 dienen der Glättung.

Das Volumen-Poti P1 wurde auf 250 kΩ geändert und dient jetzt zugleich als Demodulator- Richtwiderstand. Über C12 und über R12 führt das NF-Signal wieder zum ersten ZF- Filterkreis und somit wieder zum Steuergitter der 12C8.

Auch das Schirmgitter der Endstufe V3 erhielt nun einen Spannungsteiler, bestehend aus R14 (39k) und R23 (51k), der Abblock- Kondensator C15 wurde auf 10 µF erhöht.

 

Alternativen zur Reflex- Schaltung

Einerseits war es sehr reizvoll, einen 4- Stufen- 6- Kreis- Superhet mit nur 3 Röhren, einschließlich
Gleichrichterröhre, aufzubauen, aber fast automatisch stellt sich dabei die nächste Herausforderung, einen 3 Röhren- Super ohne Reflex- Schaltung zu kreieren, also mit mit echter Misch- + ZF- Stufe, NF-vor- + Endstufe + Gleichrichter- Diode.

Die Lösung dieses Problems wäre gar nicht so schwer, wenn man eine geeignete Kombi- Röhre hätte. Ideal wäre eine Röhre, die eine Regelpentode als ZF- Verstärker, mindestens eine Diode sowie eine Triode als NF- Vorstufe enthält, also eine Röhre ähnlich der 12C8, erweitert um eine Triode 

 

Eine solche Röhrentype gibt es tatsächlich, man kann sie in besseren Datenbüchern als 25D8GT finden. Leider war es trotz weltweiter Suche über Jahrzehnte hinweg erfolglos, „lebende“ Exemplare dieser Röhre zu finden. Erst als es üblich wurde, dass praktisch jede Handelsfirma ihre Waren auch im Internet anbietet, tauchten Angebote auf, in denen die 25D8GT sogar für einen eher bescheidenen Betrag erhältlich war.

Inzwischen habe ich auch zwei 25D8GT erhalten. Ich habe sie bis jetzt noch nicht eingesetzt, weil dann die 12C8 ihren Arbeitsplatz verliert. Die Umstellung dieses bisherigen Reflex- 3 Röhren- Supers auf einen 3 Röhren- Super ohne Reflex- Schaltung ist auch nicht mehr so vorrangig, weil hierzu zwischenzeitlich eine Lösung nach einem anderen Konzept gefunden wurde, wie in einem später folgendem Artikel beschrieben wird.  

 Weitere End- + Gleichrichter- Kombi-Röhren: 

hier sind die 12A7, 25A7 und die 32L7 mit 0,3 A Heizstrom bekannt, sowie einige Typen für 117 V Heizspannung, deren Heizung direkt an der US-typischen Netzspannung 115...120 V betrieben wird.

Hiervon sind die Typen 117L7 und 117M7, welche zur 117L7/M7GT vereinigt wurden, wegen ihren Heizdaten 117V / 90 mA besonders interessant, da man sie leicht mit Röhren der 100 mA U-Serie kombinieren kann.

So könnte man einen 3-Röhren-Super z. B. mit den Röhren UCH81, UBF89 und 117L7GT bestücken. Mittels Shunt oder bypass- Kondensator kann man einen Heizkreis bilden, in welchem die 117L7 ihre 117 V Heizspannung bei ca. 90 mA erhält und die U- Röhren mit 100 mA Heizstrom versorgt werden.


 

Technische Daten des 3 Röhren- Reflex- Supers :

Prinzip: Superhet, ZF-Stufe zugleich als NF- Vorstufe in Reflexschaltung

Wellenbereiche: LMK

Kreise: 6

ZF: 457 kHz

Röhren: 12K8, 12C8, 70L7GT

Betriebspannung: 230 V 50 Hz, keine galvanische Trennung

Sprechleistung: ca. 2 W

Lautsprecher: Perm-dyn, 13 cm Ø

Gehäuse: Bakelit

Maße: 230 * 140 * 175 mm

Gewicht: 3,3 kg

Baujahr: 1989